Archive for May, 2006

Tradition verpflichtet

Sunday, May 21st, 2006

Ich sitze heute Abend alleine vor der größten Aerobic-Modenschau Europas.
Eigentlich kann man dieses Ereignis ja nur in Gesellschaft von Gleichgesinnten durchstehen, mit denen man Tanzschritte, Rocklängen, Schmalzblick und vielleicht auch mal ein Lied zerreißen kann.
Da ich erst am Donnerstag auf das bevorstehende Ereignis aufmerksam geworden bin, wie auch andere Teile der jährlichen Stammbesetzung, mit denen das Festival der rhythmischen Sportgymnastik Zuhause auf dem Sofa mit viel Schokolade halbinteressiert verfolgt wurde, bin ich heut allein. Und da sonst auch nichts sehenswertes kommt gebe ich mich halt traditionshalber hin.

Ist es nicht immer wider spannend, was bei dem Versuch herauskommt in ein 2,5 min. kurzen Auftritt ALLES hinein zu packen.

Beispiel für ALLES: live Instrumente auf der Bühne, romantische Melodie, die nach einem freestyle Trommelsolo mit heißer Tanzaktion durch einen aus dem Hintergrund auftauchenden Rapper, der seinen Text über die weiterlaufende Melodie knallt, in einen Fetzigen Partyknaller übergeleitet wird. Für das Auge durch halbnackte Breakdancer dargestellt. Kurz vor Ende stellt das Trickkostüm der Frontsängerin, welches sie mit einer Handbewegung von einem wallenden, tief dekoltierten Abendkleid in eine….naja nennen wir es extrem knappe Badebekleidung mit Fransen verwandelt.

Aber was ist mit dem Landessprachen Prozentsatz geworden, war es nicht mal so, dass zumindest ein gewisser Teil des Textes in der Landessprache verfasst sein sollte? Auch sehr vermisst habe ich die kurzen Filme vor einem Auftritt, in denen die Band und das entsprechende Land kurz porträtiert wurden. Diesmal kam vor jedem Auftritt ein kurzer Filmischer Eindruck über griechische Besonderheiten. War etwas verwirren. Den Eindruck, dass ich gar nicht der Live-Übertragung beiwohne, sondern einer Wiederholung, bekam ich durch den deutschen Kommentator. Ihm war deutlich anzuhören, dass er jedes Stück schon gesehen hat, er versaute einige Überraschungseffekte und bot durch die gelangweilte Stimme einen harten Kontrast zum sprudelnden Programm.

Aber eine hübsche Bühne haben die da in Athen, architektonisch angelehnt an ein stufiges Amphitheater. Besonders Hübsch: das Einschweben der beiden Moderatoren, irgendwo oben Aufgehängt, glitten sie in Ballkleid und Anzug von beiden Seiten des Theaters ca. einen Meter oberhalb der Stufen hinunter auf die Aktionsfläche.

Zugegeben konnte ich mir nicht die ganze Veranstaltung mit ungeteilter Aufmerksamkeit anschauen. Irgendwann war doch jeder Auftritt den Vorgängern ähnlich, und das Programm musikalisch ehr eintönig. Also hab ich nebenbei aufgeräumt und nur von Zeit zu Zeit hin gesehen. Da sticht doch eine klassische Rocknummer mit Abgrund hässlichen finnischen Monstern angenehm heraus. Die ziehen mal einen Stil durch, und hüpfen nicht durch verschiedene Genre. Danke auch an die klassische Ballade aus Irland, wo man sich getraut hat mal einfach nur Musik zu machen, ohne nackte Tänzerinnen und brennende Mülltonnen im Hintergrund.
So das musste jetzt auf diesem Wege raus, da ich ja diesmal stumm und ohne meine Gruppe auf dem Sofa saß.