Indien – Tag 5

Nachdem wir die Fahrt mit dem Nachtzug in der 3AC Klasse (d.h. in den Sitz-Abschnitten gibt es 3 Liegeflächen übereinander. Das Mittlere ist anfangs noch nach unten geklappt und dient als Rückenlehne der auf dem unteren Teil sitzenden, kann dann aber bei Bedarf hoch geklappt und eingehängt werden. Außerdem gibt es eine Klimaanlage, weshalb die Fenster zu sind und es unter Umständen recht “frisch” ist.) gut überstanden hatten, haben wir uns mit den anderen Reisenden und dem Bruder unserer Kollegin beim Frühstück getroffen.

Der Bruder lebt seit 10 Jahren in den USA und sieht Indien deshalb mit etwas anderen Augen als die anderen Inder. Eine seiner ersten Fragen war “Habt ihr Klopapier in eurem Zimmer?”. Hatten wir, woraufhin er sich beschwert hat, dass er keines hat und die Hotel-Leute ihm sicher keines gegeben haben weil er eben nach Inder aussieht und deshalb sicher keines braucht… Es hat schon seine Gründe warum die Inder beim Essen nur die rechte Hand verwenden und die Linke unterm Tisch lassen…

Nach dem Frühstück haben wir dann kurz den Bahnhof aufgesucht um unsere Tickets von Hampi nach Bangalore zu kaufen. Das Kaufen von Tickets ist auch etwas anders als bei uns. Dort gibt es ein Formular auf dem man viele Felder auszufüllen hat. Da wir aber genügend Einheimische dabei hatten konnten sie uns schnell erklären was wir wohin zu schreiben haben. Auf jeden Fall sollte man eintragen wer (Namen sind dabei jedoch Schall und Rauch, da maximal 15 Zeichen für Vor- und Nachname zusammen zur Verfügung stehen), welches Geschlecht, wie alt die Reisenden sind und von wo nach wo man fahren möchte (Bahnhofsnamen, nicht Ortsnamen… und natürlich muss man auch vom einem zum anderen Bahnhof kommen, mit dem selben Zug). Wenn das alles ausgefüllt ist kann man sich beim Schalter anstellen und dort kann man dann erfragen in welcher Klasse und an welchem Tag noch was frei ist. Das muss man dann selbst wieder in das Formular eintragen und am Ende unterschreiben, bezahlen und dann bekommt man sein Ticket. Spezial Sachen wie Tourist-Quota oder Tatkal hingegen muss man dem Bahn-Mitarbeiter einfach sagen, dafür gibt es nichts auf dem Formular… Haben dann auch raus gefunden warum das mit dem Namen total Wurst ist, denn auf dem Ticket steht später zu den Reisenden nur das Alter und das Geschlecht… aber trotzdem sind die Tickets natürlich nicht übertragbar…

Dann ging es noch zu ein paar Banken um etwas Geld abzuheben. Geldautomaten funktionieren auch etwas anders als bei uns. Bei uns muss man Auswählen das man Geld haben will, die Karte in den Automaten geben, Pin eingeben, Betrag eingeben, bekommt die Karte wieder und dann das Geld. In Indien muss man die Karte in den Automaten schieben und wieder raus nehmen, sonst meckert der Automat das die Karte nicht lesbar ist. Der Hinweis das es so zu machen ist steht aber leider nirgends, es steht nur da “Insert Card”. Es hat also etwas länger gedauert bis wir eine Bank gefunden haben deren Automaten so tolerant waren das sie auch bei “Fehlbedienung” Geld ohne Fehlermeldung ausgegeben haben.

Eine Frechheit ist das meine tolle Bank in die Konditionen schreibt das das Abheben an indischen Geldautomaten entweder 4,75€ oder 3,5% des Abhebe-Betrags kostet, denn leider kann man an indischen Geldautomaten nicht mehr als 10000Rs mit einem Mal abheben. D.h. jedes Geld abheben kostet ~5€…

Nachdem wir mit Bahn Tickets und Geld versorgt waren, sind wir in das Haus gefahren in dem unsere Kollegin übernachtet hat (Sie musste vor ihrer Hochzeit aus dem Haus ihrer Familie ausziehen, als Teil der Hochzeit). Nach ein bisschen Austausch wie es uns bisher in Indien so ergangen ist und dann ging es auch schon wieder für uns zum Mittagessen und für sie zum Vorbereiten für den ersten Teil der Hochzeit.


Am frühen Abend, nachdem wir uns auch in unsere Hochzeitskleidung gesteckt hatten, sind wir zu der Hochzeitshalle gefahren. Der erste Teil wurde uns angekündigt als eher für den engeren Familienkreis gedacht und nicht ganz so spektakulär.

Wir haben also in der großen Halle Platz genommen und ein Bilder von der Halle gemacht, ein paar Leute kennengelernt und auf einmal waren alle weg… Ich habe mich dann mal Richtung Ausgang bewegt um noch ein paar Bilder von Draußen zu machen.

Als ich Draußen war habe ich gesehen das die ganze Hochzeitsprozession um die Halle gelaufen ist in Richtung eines sich auf dem Gelände befindenden Tempels. Dort gab es dann zum ersten mal das Brautpaar gemeinsam zu sehen. Man hat uns später erzählt die Zeremonie im Tempel war nur eine Vorbereitung auf die eigentliche Hochzeit… trotzdem schon nett… Bei uns sind Hochzeiten nach so einer “Kleinigkeit” mit ähnlich vielen Leuten schon abgeschlossen ;-)


Nach der Zeremonie im Tempel ging die ganze Prozession wieder zurück in die Halle. Natürlich alles begleitet von aller Verwandtschaft und einer Kapelle die selten dann gespielt hat wenn sie sollte und noch seltener aufgehört hat wenn der Priester (der den Eindruck vermittelt hat als wäre er der einzige der wüsste was als nächstes passiert) sie durch winken aufgefordert hat leiser zu sein.

Als dann der feierliche Einzug vorbei gezogen war hat man uns darauf hingewiesen das es dann jetzt unter der Halle etwas zu Essen gibt. Das Essen wurde auf Bananenblättern serviert und war, größtenteils auch für Europäer nicht zu “spicy”… Allerdings gab es Erstmal kein Besteck… bis der Bruder der Braut vorbei kam und meinte “I have some spoons for you… but watch them… otherwise they will take them away!” ;-)

Als dann alle mit Essen versorgt waren ging es in der großen Halle auf der Bühne weiter. Dort zog dann das Brautpaar ein und hat sich Blumenkränze umgehängt. Damit alle diesen Moment in Erinnerung behalten konnte man sich auf der einen Seite der Bühne anstellen, wenn man dran war dem Paar gratulieren (Reis auf den Kopf werfen und Hand schütteln) und sich anschließend von den ebenfalls auf der Bühne aufgebauten Fotografen ablichten lassen. Bei uns passiert das ganze ja eher im Hintergrund. Die Zeremonie steht im Vordergrund und der Fotograf huscht möglichst unbemerkt rum und versucht schöne Bilder zu machen. In Indien hatten die Fotografen ihre große Blitzanlage, ihre Stative und die ganze Verkabelung auf der Bühne stehen, so das man von den Sitzplätzen in der Halle kaum sehen konnte was das Paar auf der Bühne gemacht hat…

Als dann ein Teil der Leute durch war, hat man uns wieder den Hinweis gegeben das es jetzt unten wieder was zu Essen gibt. Wer also glaubt auf deutschen Hochzeiten gibt es zu viele Fotografen und ständig Essen sollte mal nach Indien gehen. Das relativiert dann alles wieder ein bisschen. Da zu indischen Hochzeiten auch ein paar mehr Leute kommen (bei der Hochzeit waren ca 700-800 Gäste) ist die Essensverteilung anders geregelt. Die Tische und Bänke sind fest verschraubt (sonst würde dort wohl auch das pure Chaos herrschen) und es gibt nur auf einer Seite des Tisches eine Bank. Auf der anderen Seite ist ein Gang auf dem ständig Essensverteiler laufen und Blätter legen, Becher verteilen, Becher mit Wasser füllen, Reis aufs Blatt legen, Currys aufs Blatt schöpfen, gebackene Bällchen aufs Blatt legen usw… Essen wie am Fließband… aber funktioniert und ist für die Gäste sehr entspannend weil man nur schauen muss ob man das was gerade verteilt wird essen will und es dann aufs Blatt geschöpft bekommt.

Nach dem Essen sind wir wieder nach Oben gegangen und haben gesehen das das Brautpaar immer noch damit beschäftigt war Glückwünsche entgegen zu nehmen und Bilder mit den Gästen zu machen.

Natürlich gibt es auch zu diesem Tag mehr Bilder in der Gallery.

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